Mehr als 600 Menschen leben – auch dank eurer Unterstützung!

Bonji! Lange nichts gehört! Das ändert sich hiermit! Wir waren die ersten Wochen des Jahres schon schwer am Schaffen! Die Sea Punk I wird aktuell im Trockendock fit gemacht – was genau und warum erfahrt ihr in unserer beliebten Kategorie “Post aus der Werft” weiter unten. Auch die Planungen für die Einsätze in diesem Jahr laufen auf Hochtouren. Und: wir machen schon bald gemeinsame Sache mit dem FC St. Pauli. Was genau? Lest selbst.

Love & Rage
Eure Sea Punks


TROCKENDOCK IN LICATA

Die Sea Punk I hat mal wieder kein Wasser unterm Arsch – und das ist in diesem Fall gut so. Sie steht seit Anfang des Jahres im Trockendock in Licata. Ihr wisst ja, unser geliebtes Schiff ist eine alte Punker Dame, die gut gepflegt werden muss. An Bord arbeitet die Crew täglich hart, um die Wartungsarbeiten abzuschließen und sicherzustellen, dass die Sea Punk I bald wieder in See stechen kann, um Menschen in Seenot zu helfen. Einen ausführlichen Bericht aus der Werft von zwei Sea Punkies findet ihr weiter unten.

Im vergangenen Jahr konnten wir mit eurer Hilfe in vier Rettungseinsätzen über 600 Menschen auf der Flucht, die im Mittelmeer in Seenot geraten waren, vor Schlimmerem bewahren. Diese Menschen konnten sicher an Land gehen – und das auch dank eurer Unterstützung! Danke! Unsere Planungen für die Einsätze in diesem Jahr sind in vollem Gange. Sobald das Schiff wieder einsatzbereit ist, kann es losgehen.

Einsätze fahren kostet Geld – es nicht machen, kostet Leben! Deshalb macht deine Spende einen Unterschied! Und vielleicht kennst du jemanden, dem du ans Herz legen kannst, Bootschafter:in der Sea Punks zu werden. Mit einer regelmäßigen monatlichen Spende von 13,12 Euro oder mehr hilfst du uns mehr Planbarkeit in unsere Einsatztätigkeit zu bringen und regelmäßig raus zu fahren.


KEIN APRILSCHERZ: Sea Punks x St Pauli

Ab April ist wieder T-Shirt Wetter. Und pünktlich dazu gibt es dann auch neuen Merch von uns für euch – gemeinsam mit dem FC St. Pauli lassen wir gerade die Siebdruckpressen heiß laufen und werden zwei neue Shirts und auch zwei Schals an den Start bringen. Nicht nur für Fußballfans ne feine Sache! Mehr Infos folgen. Ihr dürft euch schonmal in Vorfreude üben. 


POSTCARD(S) FROM ITALY – POST AUS DER WERFT

Moin moin ihr Lieben,

Es gibt mal wieder ein ausführlicheres Update für euch aus dem Trockendock in Licata, Sizilien. Wieso jetzt Licata und nicht wie gewöhnlich in Augusta? Nun, als Schiff unter der britischen Flagge unterliegen wir regelmäßigen Kontrollen durch die britische Bootsklassengesellschaft. Alle fünf Jahre gibt es einen großen Check Up und alle zweieinhalb Jahre den sogenannten Mid-term Survey. Dieser ist ähnlich zum TÜV beim Auto – nur noch strenger und aufwendiger.

Kurz vor Weihnachten sind wir deshalb die 14 Stunden von Augusta nach Licata geschippert und dort liegen wir jetzt im Trockendock. Trockendock ist immer was Besonderes und einfach ganz anders, als wenn wir in der Marina in Augusta ankern, wo wir abends zusammen an der Pier rund um die Feuertonne sitzen.

Sea Punk I an Land im Trockendock

Das gibt es im Trockendock nicht. Das Boot steht auf schweren Holzbalken in anderthalb Metern Höhe und der untere Teil des Schiffes ist für einige hier zum ersten Mal live zu sehen – natürlich glauben wir alle an Physik, aber wie dieser rot-blaue Stahlkoloss im Wasser schwimmen kann, ist mindestens faszinierend!

Arbeiten am Mast der Sea Punk I

Um auf das Schiff zu kommen, klettern wir drei Leitern wie beim Gerüstbau hoch. Die Toiletten sind abgestellt und wir müssen mit dem Wasser sparsam umgehen, damit die Werft nicht permanent unsere Wassertanks auffüllen muss.

Galley der Sea Punk I

Im Trockendock fokussieren wir uns auf den Midterm Survey und hier geht es vor allem um  Instandhaltung im Maschinenraum. Unter anderem müssen wir den Motor der Ankerkette erneuern. Aber auch so Sachen wie Entrosten und Lackieren des Krans sind fällig. Und auch das Ziehen der Welle und des Propellers. Hierfür muss vorher das Ruder entfernt werden und dann kommt die Welle als riesiges Stück Stahl zum Vorschein. Irre!

Bisher sind wir guter Dinge, dass wir den Midterm Survey pünktlich durchbekommen. Aber wir haben aus der Vergangenheit gelernt und wissen, dass eine kleine oder große Katastrophe hinter jeder Ecke lauern kann, vor allem wenn man einmal anfängt (anfangen muss!) Sachen auseinander zu nehmen und ganz genau hinzuschauen.

Maschinenraum der Sea Punk I

Auf dem Schiff befinden sich aktuell ganz viele Maschinist:innen, die den Großteil des Tages im Maschinenraum verbringen. Tatsächlich ist das aktuell nicht der schlechteste Ort, denn entgegen der Gewohnheiten des sonnig-sizilianischen Wetters hat es in den letzten Tagen und Wochen schwer gestürmt und schwer geregnet.

Zyklon Harry ist über Sizilien gefegt. Während wir unbeschadet den Sturm an uns vorbeiziehen sehen haben, waren auch in diesen Tagen Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer in seeuntauglichen Booten unterwegs. Von anderen NGOs, die aktuell draußen im Einsatz sind, wissen wir, dass sie aktuell oft Leichen finden. Wir müssen davon ausgehen, dass schon in den ersten Wochen dieses Jahres durch Zyklon Harry bis zu 1000 Menschen ihr Leben verloren haben, beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Mögen ihre Seelen in Frieden ruhen.

Wir wissen um unsere Reichweite und dass wir die Aufmerksamkeit auf Geschehnisse in der Welt richten können, die sonst ignoriert oder vergessen werden. Im Wissen dessen, dass wir mit unserer Arbeit nur dann erfolgreich sind, wenn wir politisch und intersektional arbeiten, ist es uns ein großes Anliegen, sich mit Menschen zu solidarisieren, die für ihre politische Einstellung– die auch unsere ist– einstehen!.

Maja T., eine non-binäre Person Jena ist mithilfe des deutschen Staates rechtswidrig an Ungarn ausgeliefert worden und hat dort am 4. Februar in einem politischen Schauprozess eine Haftstrafe von acht Jahren erhalten – die Beweislage dünn und die Haftbedingungen unmenschlich. Neben Maja sind zwei weitere Antifaschist:innen, Anna und Gabri, in Abwesenheit zu acht und zwei Jahren verurteilt worden. Die immer belastender repressive Taktik europäischer Staaten entwickelt sich gegen antifaschistische Strukturen, aber auch gegen People on the Move! 

Diesen Kampf führen wir nicht alleine, sondern gemeinsam, intersektional und global. Um unsere Solidarität mit Maja und allen Antifas zu zeigen, haben wir in Licata  ein Solidaritätsfoto geschossen. Es hat gut getan, mit so vielen Menschen gemeinsam daran zu arbeiten und wir hoffen, dass unsere Wut und unsere Kraft nicht nur Maja, sondern alle Antifas erreicht, mit denen wir uns solidarisch zeigen.

Free Maja, free all Antifas! Free the ships and freedom of movement for all!

Free Maja - Sea Punk I and Crew