Nachdem die Besatzung der Humanity 1 33 Menschen aus Seenot gerettet und zwei Tote im Wasser entdeckt hatte, setzten die italienischen Behörden das Rettungsschiff von SOS Humanity am 13. Februar für 60 Tage fest. Seit Dezember wurden Schiffe der Justice Fleet bereits dreimal festgesetzt – insgesamt für 95 Tage. Vor dem Hintergrund mehrerer hunderter Menschen, die im Mittelmeer als tot oder vermisst gemeldet wurden, setzt die Behinderungspolitik der italienischen Regierung nach Angaben der Justice Fleet bewusst Menschenleben aufs Spiel.
„Erst vor wenigen Tagen haben wir nicht nur das Leben von 33 Menschen gerettet, sondern auch zwei Leichen im Meer treiben sehen – direkt vor uns“, sagt Viviana di Bartolo, Einsatzleiterin auf der Humanity 1. „Unser Rettungsschiff könnte jetzt schon wieder im zentralen Mittelmeer im Einsatz sein – doch die italienischen Behörden haben entschieden, uns im Hafen festzuhalten – und lassen dadurch weitere Menschen dort draußen sterben!“

Credits: Sinawi Medine/SOS Humanity
Die Festsetzung erfolgte, nachdem die Crew sich geweigert hatte, mit der libyschen Rettungsleitstelle und der ihr unterstellten Küstenwache zu kommunizieren, die vom Justice Fleet Bündnis als illegitimer Akteur betrachtet wird. „Die sogenannte libysche Küstenwache besteht aus gewalttätigen Milizen, die für schwere Menschenrechtsverletzungen an Geflüchteten sowie Angriffe auf Seenotrettungscrews verantwortlich sind“, sagt Wasil Schauseil, Sprecher von SOS Humanity. „Während sie internationales Recht verletzen, werden wir von den italienischen Behörden dafür bestraft, dass wir es einhalten. Diese Entscheidung lassen wir nicht stehen – wir ziehen vor Gericht.”
Diese dritte Festsetzung eines Schiffes der Justice Fleet folgt auf die Festsetzung der Sea-Watch 5 am 31. Januar für 15 Tage sowie der Humanity 1 am 9. Dezember 2025 für 20 Tage.
Gleichzeitig verschärft die italienische Regierung die Behinderung humanitärer Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer weiter. Mit einem neuen Gesetzentwurf plant die Regierung Meloni eine Seeblockade für NGO-Schiffe: Ihnen könnte für bis zu sechs Monate die Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer untersagt werden, wenn die Behörden ein „Sicherheitsrisiko“ feststellen.
Die Festsetzungen der Schiffe der Justice Fleet folgten auf schwere Stürme infolge des Sturmtiefs „Harry“. Seit Mitte Januar berichten Beobachtungsgruppen von Hunderten Vermissten, die von der tunesischen Küste aus aufgebrochen waren. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) meldete zudem in der vergangenen Woche einen weiteren Schiffbruch mit mindestens 53 Todesopfern.
Daten der Internationalen Organisation für Migration zeigen, dass im Jahr 2026 nach mehreren Schiffsunglücken im zentralen Mittelmeer unter extremen Wetterbedingungen mindestens 484 Migrant*innen als tot oder vermisst gemeldet wurden; Hunderte weitere Todesfälle gelten vermutlich als nicht erfasst.

Credits: Sinawi Medine/SOS Humanity
Weitere Informationen
Mehr Informationen zur Justice Fleet finden Sie hier.
Eine Liste extremer Gewalttaten durch libysche Milizen finden Sie hier.
Foto- und Videomaterial der Sea-Watch 5 Rettung finden Sie hier.
Weitere Informationen über die Festsetzung der Sea-Watch 5 finden Sie auf der Sea-Watch Website unter Aktuelles.
Kontakt:
Wasil Schauseil
SOS Humanity Pressesprecher
+49 (0) 157 85060814
info@justice-fleet.org
Ina Friebe
Pressesprecherin Justice Fleet
+4930120821923
info@justice-fleet.org

