Lampedusa/Bad Kreuznach am 25. September 2026
Am 23.09.2026 verfügte der Präfekt der Provinz Agrigento gegen das Rettungsschiff Sea Punk I eine 15-tägige Festsetzung sowie ein Bußgeld in Höhe von 7.500 Euro. Sea Punks e. V. geht rechtlich gegen diese Maßnahme vor, die sie als absichtliche und unbegründete Behinderung ihrer zivilen Seenotrettungsmaßnahmen ansieht.
Nach Rettung von 20 Menschen: Festsetzung
Die Festsetzung erfolgte nach einer durchgeführten Rettung am Donnerstag, 10. September 2026. Die Crew der Sea Punk I hatte an diesem Tag einen Seenotfall in der Nähe der Ölplattform Bouri betreut. “Unsere Besatzung rettete 20 Menschen von einem manövrierunfähigen Glasfaserboot. Das Boot war nicht seetüchtig, verfügte über keine Rettungsmittel und trieb auf dem Wasser. Die Menschen befanden sich seit mindestens zwei Tagen auf offener See und litten unter lebensbedrohlicher Dehydrierung. Nach Abstimmung mit den italienischen Behörden über das weitere Vorgehen nahm unsere Besatzung alle Personen sicher an Bord der Sea Punk I”, erklärt Stephen Schrezenmeier, Such- und Rettungs-Koordinator der Sea Punks.
Der Einsatz erfolgte in enger Abstimmung mit den zuständigen italienischen Behörden und gemäß den geltenden Konventionen und internationalen Vorschriften. Die italienischen Behörden werfen dem Kapitän der Sea Punk I vor, dass die Anweisungen der sogenannten libyschen Küstenwache, sich zu entfernen und den Einsatzbereich zu verlassen, nicht befolgt wurden. Das MRCC Libyen behauptet zudem, dass die Sea Punk I sich im Zusammenhang mit der Rettung in die Verbotszone um die Ölplattform bewegt habe.
Behauptungen, die von Sea Punks e. V. zurückgewiesen werden. “Die Menschen in Seenot befanden sich außerhalb der Sicherheitszone der Bouri Plattform und in internationalen Gewässern”, so Stephen Schrezenmeier. “Es gab keinen direkten Kontakt zur sogenannten libyschen Küstenwache im Rahmen dieser Rettung. Libyen ist außerdem kein sicherer Ort im Sinne des internationalen Seerechts, eine Rückführung dorthin würde gegen das Völkerrecht verstoßen. Es gilt die Pflicht zur Rettung und Ausschiffung in einen sicheren Hafen – genau das haben wir getan und dabei durchgehend und uneingeschränkt mit der italienischen Koordinierungsstelle (MRCC Rom) kommuniziert und kooperiert.”
Sea Punks e. V. wird dagegen gerichtlich vorgehen: “Unsere Besatzung handelte in voller Übereinstimmung mit dem internationalen Seerecht“, so Stephen Schrezenmeier. “Seit 2023 blockiert der italienische Staat wiederholt und unrechtmäßig Such- und Rettungsschiffe, obwohl diese ihre völkerrechtliche Pflicht erfüllen: Menschen, die in Seenot geraten sind, zu retten. Nun hat diese politische Schikane das erste Mal auch uns getroffen.”

BEREITS 11. FESTSETZUNG EINES BÜNDNIS-SCHIFFES DER JUSTICE FLEET
Es ist bereits die elfte Festsetzung eines Schiffes der Justice Fleet, dem größten Bündnis ziviler Such- und Rettungsorganisationen, welches im November 2025 gegründet wurde. “Die Verhängung von mehr als 310 Tagen unrechtmäßiger Festsetzung gegen zivile Seenotrettungsschiffe seit November 2025 ist ein politisch motivierter Schritt der italienischen Behörden, der gegen das Völkerrecht verstößt, und die eh schon knappen Rettungskapazitäten im Mittelmeer weiter verschärft. Jeder Tag, den ein Rettungsschiff weniger im Mittelmeer ist, bedeutet mehr Tote”, sagt Stefanie Groth, Sprecherin Sea Punks e. V.
Im November 2025 gründeten 13 Such- und Rettungsorganisationen das Bündnis Justice Fleet, unterstützt von einem breiten zivilgesellschaftlichen Netzwerk. Ihr Ziel ist es, das Völkerrecht zu schützen, indem sie gegen die rechtswidrigen Festsetzungen von Rettungsschiffen in Italien und die Auslagerung von Migrationsabwehr an illegitime und gewalttätige Akteure in Libyen vorgehen.
Hinweis an die Redaktionen:
Stephen Schrezenmeier, Such- und Rettungs-Koordinator sowie Stefanie Groth, Sprecherin des Vereins, stehen Ihnen für Interviews zur Verfügung. Bildmaterial steht im Pressebereich der Website zum Download bereit.
Über den Verein Sea Punks e. V.
Sea Punks e. V. ist ein gemeinnütziger Verein aus Bad Kreuznach, der sich in der zivilen Seenotrettung für humanitäre Hilfe an den europäischen Außengrenzen engagiert. Gegründet 2020 in Bad Kreuznach ist der Verein deutschlandweit organisiert. Die Arbeit wird hauptsächlich durch ehrenamtliche Helfer:innen getragen und finanziert sich durch Spenden. Mittlerweile ist der Verein mit dem Schiff Sea Punk I seit September 2023 im Einsatz und hat in zehn Einsätzen mehr als 1120 Menschen in Seenot unterstützt. Seit November 2025 sind die Sea Punks e. V. Teil der Justice Fleet.
Pressekontakt Sea Punks e. V.:
Stefanie Groth, Sprecherin
E-Mail: presse@seapunks.de
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