LIVE +++ Mittagspause auf Lock ++ Am Hafen vorbei, über die Brücke am Corso Sicilia, den Lungomare Gioacchino Rossini hoch und runter, weiter Richtung Landschaftsschutzgebiet Ex Salina Regina di Augusta (Flamingos gucken) Kehrtwende am gesperrten Militärgelände (cazzo), dafür noch schnell rein ins Wasser an der Spiaggetta del Sole. 7. November, 20 Grad Wassertemperatur, weitermachen. Zurück an Land werden die Belege der Woche in die Buchhaltung reingeballert (einiges zusammengekommen). Falls ihr im Übrigen ein Gesicht zu diesem bisher weitgehend anonymisierten Liveticker braucht, ich bin Spinali mit der Nummer 420. ;););)+++ Kommt doch mal ran auf ’nen Meter +++ Oder auf ’nen Kaffee, ’ne schöne kalte Molle. Augusta ist wirklich nett, Sizilien in der Nebensaison sowieso immer eine Reise wert. Für alle Bootschafter:innen sicherlich eine willkommene Gelegenheit, mal an Bord zu checken, ob der eigene Name auch wirklich verewigt wurde. Als Bootschafter:in landet ihr mit eurer Dauerspende nämlich auf unserer Wall of Fame an Bord der SEA PUNK I. Schwarz auf weiß, bzw. Punk auf Schiff. Mehr dazu gibt’s hier: https://seapunks.de/ehrenpunk/ Kurz vorher anklopfen, dann lässt sich eine kleine Stippvisite an Bord sicherlich einrichten, sofern es der Schiffsbetrieb zulässt. Wer gleich länger bleiben und mit anpacken möchte, schaut am besten hier vorbei: https://seapunks.de/werft/ Und wer einfach nur als Touri kommen mag, dem empfehle ich eine Unterkunft mit Balkon und bestem Blick aufs Schiff. Ganz rechts da unten, hinter dem letzten Brückenpfeiler, könnt ihr es irgendwie erkennen. Gibt schlechtere Aussichten.+++ Hamsterkäufe auf Sizilianisch +++ Wie zu besten Corona-Zeiten erstmal das Toilettenpapierregal leergeräumt. Ansonsten gibt’s anbei noch einen sogenannten HAUL, die Präsentation der Ausbeute einer ausgiebigen Einkaufstour. Influencers können einpacken, wir packen gemeinsam aus. Mit dabei unter anderem 8 Kilo TK-Spinat, jeweils 7 Kilo Dosentomaten, passierte Tomaten, rote Linsen und Kichererbsen. Dazu Cleaning Products noch und nöcher, nice and shiny muss es sein an Bord, Stationery aka Bürobedarf für die Brücke, biologisch abbaubare Waschmittel (safe!), Müsliriegel in üppigen Mengen und Acqua, Acqua und nochmal Acqua. Shopping-Haul, Sea-Punks-Edition. Statt Skincare-Routine gibt’s Hülsenfrüchte und Klopapier.+++ Lebt denn der alte Holzmichel noch? +++ 2 × 20 Liter SAE 30 Motoröl eingepackt. Fließt passenderweise auch durch so manchen Traktor, damit unsere Hydraulik wieder schön geschmeidig läuft. Chief Engineer zufrieden. Auf die dicke Suppe gab’s obendrauf nochmal satte 30 Prozent Rabatt. Tags zuvor beim örtlichen Dealer für Schiffszubehör einen kleinen Blumenstrauß vorbeigebracht. B2B oder etwa nicht? Ansonsten gehe ich hier allmählich ein wenig Crash-out, deshalb im Liveticker weiterhin nur mit angezogener Handbremse unterwegs. Parallel dazu gibt es noch andere Baustellen. Haben die kein Bandmaß, was acht Meter lang ist? Kranplätze müssen verdichtet sein. Ach hör mir auf, der Holzmichel lebt, der Ticker auch.+++ Keep the fire burning +++ Auch an Land, 1.800 Kilometer von Augusta entfernt, in Almania, laufen unsere Vorbereitungen für den nächsten Einsatz auf Hochtouren. Im Mediendepartment sind wir in engem Austausch mit unserem FMC - Field Media Coordinator, der für uns während der Trainings aber v.a. im Einsatz Augen und Ohren ist und dokumentiert was passiert. Das ist nicht nur wichtig, um euch auf dem Laufenden zu halten - das ist v.a. auch wichtig, damit wir später nachweisen können, dass wir gemäß den geltenden Vorschriften und Gesetzen gehandelt haben. Soll ja vorkommen, dass das in Frage gestellt wird… Jetzt mitverfolgen

Humanity 1 festgesetzt: Behörden nehmen Schiff der Justice Fleet fest

Dreimal haben die Milizen der sogenannten libyschen Küstenwache in den letzten Monaten auf Rettungsschiffe geschossen. Trotzdem wurde heute das Seenotrettungsschiff Humanity 1 von den italienischen Behörden festgesetzt, weil es sich geweigert hatte, mit der libyschen Rettungsleitstelle zu kommunizieren. Diese koordiniert die sogenannte libysche Küstenwache auf See. Die Blockade stellt eine gefährliche Eskalation in der Kriminalisierung  der zivilen Seenotrettung dar, während allein in diesem Jahr mehr als 1.700 Menschen im Mittelmeer ums Leben kamen.

Wir werden nicht gezwungen werden, unsere Einsatzpositionen an von der EU finanzierte bewaffnete Milizen weiterzugeben, die auf schutzsuchende Menschen und unsere Rettungsteams schießen. Mit diesen Worten kündigte eine Koalition von 13 Seenotrettungsorganisationen öffentlich an, dass sie die operative Kommunikation mit der libyschen Rettungsleitstelle einstellen würden. Die Seenotretter reagierten damit auf mehrere Vorfälle, bei denen die sogenannte Küstenwache auf Seenotrettungsschiffe und fliehende Menschen geschossen hatte, darunter ein 20 Minuten Beschuss gegen das Rettungsschiff Ocean Viking. Jetzt haben die italienischen Behörden auf die Entscheidung der Allianz reagiert und das Schiff Humanity 1 im Hafen von Ortona festgesetzt.

„Etwas ist gefährlich schiefgelaufen, wenn diejenigen, die Menschenrechte verteidigen, bestraft werden, während diejenigen, die sie verletzen, von der EU und ihren Mitgliedstaaten geschützt und aktiv unterstützt werden“, sagt Janna Sauerteig, politische Expertin bei SOS Humanity. „Die aktuelle Festsetzung unseres Schiffes beweist dies erneut. Die EU muss ihre Komplizenschaft bei den täglichen Verbrechen libyscher Akteure auf See beenden. Verantwortung muss bei denen liegen, die internationales Recht verletzen – nicht bei denen, die Menschenrechte verteidigen und Leben im zentralen Mittelmeer retten.“

Die italienischen Behörden stützen ihr Vorgehen auf das sogenannte Piantedosi-Gesetz, das Seenotrettungsorganisationen verpflichtet, mit der libyschen Seenotrettungsleitstelle in Tripolis, Libyen, zu kommunizieren. Unter anderem werden sie gezwungen, den Milizen ihre Einsatzpositionen mitzuteilen.

„Der Angriff auf die Humanity 1 ist ein Angriff auf uns alle.“, sagt Laura Meschede, Sprecherin der Justice Fleet. „Mit ihrer Blockade der Humanity 1 bestrafen die italienischen Behörden nun die Seenotrettungsorganisationen für die bloße Einhaltung von internationalem Recht. Wenn Italien an seinem Kurs festhält, stellt dies eine massive Bedrohung für zivile Seenotrettungsorganisationen dar. Denn nicht nur SOS Humanity, sondern alle Schiffe der Justice Fleet haben ihre Kommunikation eingestellt.“

Eine Gruppe von etwa zwanzig Menschen steht auf einem Hafen vor dem Rettungsschiff „HUMANITY 1“. Sie halten ein großes dunkelblaues Banner mit gelber Schrift, auf dem steht: „THEY SHOOT WE ARE DETAINED“. Eine Person hält zusätzlich ein Schild mit der Aufschrift „FREE THE HUMANITY 1“. Das Schiff im Hintergrund trägt die Logos „HUMANITY 1“ und „UNITED4RESCUE“.

Credits: Marcel Beloqui Evardone