Italienische Behörden verschärfen die Behinderung der Justice Fleet: Rettungsschiff Aurora festgesetzt

Nach der Rettung von 44 Menschen, die auf der verlassenen Ölplattform Didon im Mittelmeer gestrandet waren, wird das Rettungsschiff „Aurora“ von Sea-Watch von den italienischen Behörden in Lampedusa für 45 Tage festgesetzt und mit einer Geldstrafe von 7.500 € belegt. Die Festsetzung stützt sich auf das sogenannte Piantedosi-Gesetz und die Weigerung von Sea-Watch, mit den libyschen Seebehörden zu kommunizieren. Ein aktueller UN-Bericht hat bestätigt, dass diese Teil eines Systems von Verschleppungen, sexualisierter Gewalt und Folter gegen Schutzsuchende, darunter auch Kinder, sind, das von europäischen Akteuren wie Frontex ermöglicht wird. Darüber hinaus hat die Organisation Sea-Watch nun Strafanzeige gegen die sogenannte libysche Küstenwache gestellt, als Reaktion deren Schüsse auf das Rettungsschiff Sea-Watch 5 im vergangenen Jahr.

Credits: Milad Amin / Sea-Watch

Unterdessen ist die Zahl der Todesopfer im zentralen Mittelmeer laut der Internationalen Organisation für Migration seit Jahresbeginn auf über 770 Menschen gestiegen – der höchste Stand seit einem Jahrzehnt. Diese fünfte Festsetzung eines Rettungsschiffs der Justice-Fleet-Allianz seit Dezember 2025 führt zu einer erheblichen Einschränkung der Rettungskapazitäten auf einer der tödlichsten Migrationsrouten der Welt.

„Wir verurteilen die rücksichtslose und tödliche Eskalationsstrategie der italienischen Regierung gegen nichtstaatliche Such- und Rettungsorganisationen auf Schärfste. Insbesondere angesichts von fünf Blockaden mit einer Gesamtdauer von 150 Tagen.”, sagt Wasil Schauseil, Sprecher des Bündnisses Justice Fleet. „Mit der Sea-Watch 5 und nun der Aurora werden zwei gut ausgestattete Rettungsschiffe in Italien unrechtmäßig blockiert, während Berichten zufolge allein seit dem 27. März mehr als 180 Menschen im Mittelmeer vermutlich tot oder vermisst sind – eine Folge der bewussten Politik der Vernachlässigung durch Europa.“

Die Sea-Watch 5 wurde Ende März blockiert, während die Humanity 1 nach dem 13. Februar 60 Tage lang festgehalten wurde, wodurch zwei der größten Schiffe der zivilen Flotte wochenlang daran gehindert wurden, Menschen in Seenot zu helfen. Derzeit sind beide Sea-Watch-Schiffe in italienischen Häfen blockiert.

Am 5. November 2025 hatten sich 13 Seenotrettungsorganisationen zur Allianz Justice Fleet zusammengeschlossen und ihre operative Kommunikation mit libyschen Behörden eingestellt. In zwei Fällen haben italienische Gerichte bereits zugunsten der Organisationen entschieden. In den vergangenen Jahren haben italienische Gerichte wiederholt die lebensrettende Rolle der zivilen Seenotrettung betont und klargestellt, dass die sogenannte libysche Küstenwache sowie die libysche Seenotleitstelle keine legitimen Akteure der Seenotrettung sind.


Weitere Informationen

Bilder und Videoaufnahmen der Aurora Rettung finden Sie hier.

Mehr Informationen zur Justice Fleet finden Sie hier.

Eine Liste extremer Gewalttaten durch libysche Milizen finden Sie hier.

Weitere Informationen über die Festsetzung der Aurora finden Sie auf der Sea-Watch Website unter Aktuelles.

Pressekontakt: 
Giulia Messmer
Pressesprecherin Justice Fleet
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