LIVE +++ Keep the fire burning +++ Auch an Land, 1.800 Kilometer von Augusta entfernt, in Almania, laufen unsere Vorbereitungen für den nächsten Einsatz auf Hochtouren. Im Mediendepartment sind wir in engem Austausch mit unserem FMC - Field Media Coordinator, der für uns während der Trainings aber v.a. im Einsatz Augen und Ohren ist und dokumentiert was passiert. Das ist nicht nur wichtig, um euch auf dem Laufenden zu halten - das ist v.a. auch wichtig, damit wir später nachweisen können, dass wir gemäß den geltenden Vorschriften und Gesetzen gehandelt haben. Soll ja vorkommen, dass das in Frage gestellt wird…+++ ANGEFUNKT VON DEN LANDRATTEN +++ Fingernägel kauend sitze ich, Steffi, vor meinem LapTop und klicke auf aktualisieren, in der Hoffnung, dass endlich wieder Post vom Schiff kommt. Ich kann und will nach drei Tagen Liveticker gar nicht mehr ohne News vom Schiff durch den Tag gehen und frage mich: WAS IST DA LOS?? Kann es sein, dass Sergio als Logistiker und Hobby-Koch doch gut ausgelastet ist und alle Hände voll zu tun hat? Oder hängt er beim lokalen Salone di parrucchiere für seinen Powertrimm?+++ Cambio di regia - Naomi (die Chefköchin) berichtet +++ Heute hatten wir unser Awareness Briefing mit der neuen Besatzung, bei der wir besprochen haben, wie wir uns gegenseitig unterstützen wollen und wie wir unser Schiff zu einem sichereren Ort für alle machen können. Keine leichte Aufgabe und kein klarer Weg vor uns, aber viele positive Gefühle und tolle, emotionale Gespräche. In einem großartigen Zeichen der Solidarität bot Sergio (euer üblicher Blogger) an, das Kochen zu übernehmen, und obwohl es anfangs etwas hektisch zuging und wir ihn nicht finden konnten (wir dachten, er hätte uns in völliger Panik im Stich gelassen), fanden wir ihn später in der Küche, wo er einige unerwartete Kochkünste an den Tag legte. Die Crew ist begeistert, und es weht eine kühle Brise. Morgen gibt es mehr für euch, aus unserer kleinen Ecke am Pier. Stay rebel, stay soft. Besitos.+++ piano, piano +++ Deutlich ruhiger geworden hier im Liveticker. Ist natürlich einzig und allein ein gutes Zeichen, heißt nämlich, es gibt reichlich zu tun. Nach dem Morning Meeting erstmal ein kleiner Abstecher zum Mercato di Giovedì, dem örtlichen Donnerstagsmarkt. Oliven, Kapern, Capuliato (ein sizilianisches Ding aus feingehackten, sonnengetrockneten Tomaten, Grüße gehen raus an Dr. Massi). Irre günstig, irre lecker. Geht nicht anders, muss kommen. Heute Abend wird das Ganze zu sizilianischem Kartoffelsalat verarbeitet, dazu vegane Frikadunsen, heute Abend muss (darf) ich mal ran an die Herdplatten. Währenddessen laufen die Trainings der Crew weiter auf Hochtouren. Bekomme ich aber nur am Rande mit, weil hier hauptsächlich Groundhopping (im Sinne von verschiedenen Läden abklappern) betrieben wird. Ciao, a dopo!+++ Buon pranzo! +++ Auberginenauflauf (Melanzane) zum Mittag! Chefköchin Naomi hat hier abermals abgeliefert. Gegessen wird zwar, was auf den Tisch kommt, aber wenn die Glocke zum Mittag läutet, stehen die Leute schon Schlange. Und weil das Auge bekanntlich mitisst, lassen wir noch etwas Anschauungsmaterial da. Das Rezept zum Nachkochen gibt’s auf Nachfrage per DM. Buon appetito! Jetzt mitverfolgen

Ein Jahr Justice Fleet: Große Erfolge vor Gericht für das neue Bündnis

Berlin, 5. November 2026. Vor genau einem Jahr stellten 13 zivile Seenotrettungsorganisationen jegliche Einsatzkommunikation mit der libyschen Seenotrettungsleitstelle in Tripolis ein und gründeten damit das Bündnis Justice Fleet. Seitdem setzten italienische Behörden ihre Schiffe zwölfmal fest – insgesamt gingen dadurch mehr als 300 Einsatztage verloren. Doch italienische Gerichte bestätigen den Kurs des Bündnisses: In sechs Fällen hoben sie die Festsetzungen im Eilverfahren wieder auf. Sechs weitere Festsetzungen werden derzeit gerichtlich überprüft, die Entscheidungen im Hauptverfahren stehen noch aus. Bislang erging kein rechtskräftiges Urteil gegen ein Mitglied der Justice Fleet.

Ein weißes Boot mit rotem Streifen fährt auf offener See neben einem dunklen, voll besetzten Schlauchboot.

Zwölf Festsetzungen, mehr als 300 Tage blockiert

Zwischen November 2025 und September 2026 setzten italienische Behörden Schiffe der Justice Fleet zwölfmal fest. Betroffen waren die Aurora, Humanity 1, Humanity 2, Louise Michel, Mediterranea, Sea Punk I, Sea-Watch 5 und Trotamar III. Als Gründe führten die Behörden unter anderem die verweigerte Kommunikation mit der libyschen Seenotrettungsleitstelle (JRCC) und der tunesischen Nationalgarde, die Missachtung von Anweisungen der sogenannten libyschen Küstenwache, das Nicht-Ansteuern des zugewiesenen Hafens aufgrund unzureichender Treibstoffreserven sowie die Ausschiffung geretteter Menschen in einem näher gelegenen sicheren Hafen statt in einem weit entfernten zugewiesenen Hafen an. Die Festsetzungen führten zu insgesamt mehr als 300 verlorenen Einsatztagen und Geldstrafen von bis zu 10.000 Euro. Gleichzeitig verzeichnete das zentrale Mittelmeer das tödlichste erste Quartal seit zehn Jahren.

Sieben der zwölf Festsetzungen erfolgten, weil die Schiffe nicht mit der libyschen Seenotrettungsleitstelle kommuniziert hatten. Damit wurden Rettungscrews dafür bestraft, dass sie die Zusammenarbeit mit libyschen Behörden oder die Befolgung von Anweisungen der sogenannten libyschen Küstenwache verweigerten. Hinter dieser stehen EU-finanzierte Milizen, die für den Großteil der 107 seit 2016 dokumentierten Fälle extremer Gewalt auf See verantwortlich waren. Allein 2025 verschleppten sie mehr als 27.000 Menschen gewaltsam zurück nach Libyen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stellte bereits 2012 fest, dass dies aufgrund unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung rechtswidrig ist. Libyen hat zudem die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 nicht ratifiziert. Die Vereinten Nationen haben schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen an Geflüchteten und Migrant*innen in Libyen umfassend dokumentiert.

„Italien verlangt von uns, die Menschen, die wir retten, genau jenen Milizen zu überlassen, die auf sie schießen und sie gewaltsam in Haft, Folter und Erpressung zurückverschleppen. Wir weigern uns – und die Gerichte geben uns recht. Wir werden uns nicht zu Kompliz:innen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit machen lassen. Eine Regierung, die die Entscheidungen ihrer eigenen Gerichte ignoriert, untergräbt bewusst den Rechtsstaat. Italien sabotiert das internationale Seerecht. Das Piantedosi-Dekret muss abgeschafft werden, und Europa muss die Finanzierung der sogenannten libyschen Küstenwache beenden“, sagt Giulia Messmer, Sprecherin der Justice Fleet.

Justice Fleet erzielt Erfolge vor Gericht

Die Gerichtsurteile sprechen eine deutliche Sprache: In sechs der zwölf Fälle hoben italienische Gerichte die Festsetzungen im Eilverfahren wieder auf. Die übrigen sechs Festsetzungen werden derzeit gerichtlich überprüft. Entscheidungen in der Hauptsache stehen noch aus. Erst kürzlich erklärte ein Gericht in Neapel die jüngste Festsetzung der Sea-Watch 5 für rechtswidrig und stellte klar, dass Rettungscrews nicht für die Missachtung rechtswidriger Anweisungen bestraft werden dürfen. Im Juli erklärte auch ein Gericht in Ortona die Festsetzung der Humanity 1 für rechtswidrig. Das Gericht betonte, es sei „absolut unmöglich“, Libyen als sicheren Ort für Geflüchtete und Migrant:innen anzusehen. Zuvor hatten Gerichte in Agrigent, Catania und Chieti bereits Festsetzungen und Geldstrafen gegen die Aurora, die Mediterranea, die Sea-Watch 5 und die Trotamar III ausgesetzt.

Über die Justice Fleet

Die Justice Fleet ist das größte Bündnis ziviler Seenotrettungsorganisationen. Es wurde am 5. November 2025 von 13 Organisationen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gegründet. Unterstützt wird das Bündnis vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), Refugees in Libya und einem breiten zivilgesellschaftlichen Netzwerk.

Weitere Informationen: justice-fleet.org

Pressekontakt

Julia Winkler, Justice Fleet, +49157 58090674, info@justice-fleet.org